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Lauf-Lust

Laufen für Anfänger

Richtig atmen beim Laufen

Anfänger machen sich um ihre Atmung meist zu viele Gedanken. Die Folge ist Verkrampfung statt Lockerheit – dabei regelt der Körper das von allein.

Redaktion Lauf-Lust · Veröffentlicht am , aktualisiert am

Richtig atmen beim Laufen heißt: durch Mund und Nase gleichzeitig, ohne erzwungenen Rhythmus, in einem Tempo, bei dem Sprechen möglich bleibt. Mehr Technik braucht es nicht – die Atmung regelt sich über den CO₂-Gehalt im Blut von selbst, und die meisten Atemprobleme beim Laufen sind in Wahrheit Tempoprobleme. Was von den gängigen Ratschlägen bleibt und wann Atmung doch ein Thema ist, der Reihe nach.

Was der Körper von allein macht

Die Atemregulation läuft über den CO₂-Gehalt im Blut und braucht keine bewusste Steuerung. Steigt die Belastung, steigt die Atemfrequenz, und zwar genau so weit, wie es nötig ist. Dieser Mechanismus funktioniert bei einem untrainierten Menschen genauso zuverlässig wie bei einem Marathonläufer.

Wer versucht, ihn zu überschreiben, macht die Atmung meist flacher, nicht tiefer. Das ist der Grund, warum viele Einsteiger nach dem Lesen eines Atemartikels schlechter laufen als vorher.

Die drei häufigsten Ratschläge und was von ihnen bleibt

“Atme nur durch die Nase.” Der Nasenquerschnitt begrenzt den Luftstrom auf etwa die Hälfte dessen, was der Mund durchlässt. Bei ruhigem Gehen reicht das, beim Laufen nicht. Die Empfehlung stammt aus der Atemschulung im Ruhezustand und wurde auf den Sport übertragen, wo sie nicht hingehört.

“Halte einen festen Schritt-Atem-Rhythmus.” Solche Muster – etwa drei Schritte einatmen, zwei ausatmen – stellen sich bei erfahrenen Läufern von selbst ein. Als Vorgabe für Anfänger sind sie eine zusätzliche kognitive Last in einer Situation, die ohnehin ungewohnt ist.

“Atme tief in den Bauch.” Der einzige Ratschlag mit praktischem Wert, aber nicht als Dauervorgabe. Bewusstes tiefes Ausatmen hilft gegen Seitenstechen und beruhigt, wenn die Atmung nach einem Anstieg hektisch geworden ist.

Der eigentliche Punkt

Wenn du beim Laufen keine Luft bekommst, ist die Atmung nicht die Ursache. Das Tempo ist es. Die Atmung meldet nur, was der Kreislauf gerade leistet.

Die Lösung ist deshalb nie eine Technik, sondern immer ein Tempo, bei dem du sprechen kannst. Wie du das findest, steht unter Wie schnell soll ich laufen.

Praktisch heißt das: Wer beim Laufen nach Luft ringt, nimmt Tempo raus – sofort, nicht am Ende der Runde. Geht das Sprechen wieder, war es das Tempo. Geht es auch im Gehen nicht, ist das kein Trainingsthema mehr, sondern eines für die Praxis (siehe unten).

Woran du merkst, dass die Atmung passt

Drei einfache Marker, ganz ohne Technikvorgabe:

  • Der Sprechtest. Ein vollständiger Satz am Stück, ohne nach jedem zweiten Wort Luft zu holen – das ist das Belastungsniveau, auf dem Grundlagentraining stattfindet.
  • Die Erholung nach dem Anstieg. Nach einer Steigung sollte sich die Atmung innerhalb von ein, zwei Minuten wieder beruhigen. Bleibt sie hektisch, war nicht der Berg zu steil, sondern das Tempo danach zu hoch.
  • Kein Geräusch. Pfeifende oder rasselnde Atmung ist kein Trainingszustand, sondern ein Grund für einen Praxisbesuch – besonders, wenn sie auch in Ruhe oder bei leichter Belastung auftritt.

Atmung bei Kälte

Ein häufiges Einsteiger-Erlebnis im Winter: Die kalte Luft “schneidet” in den Atemwegen. Das ist unangenehm, aber bei gesunden Atemwegen unbedenklich – die Luft ist auf dem Weg in die Lunge längst erwärmt. Wer es mildern will, atmet die ersten Minuten betont ruhig oder zieht ein dünnes Tuch vor Mund und Nase, bis der Körper warm ist. Bei Asthma oder wiederkehrendem Husten nach Kälteläufen gehört die Frage in die Praxis. Was sonst noch bei Minusgraden zählt, steht unter Laufen im Winter.

Wann Atmung doch ein Thema ist

Bei Anstiegen lohnt es sich, bewusst länger auszuatmen als einzuatmen – das verhindert, dass die Atmung in eine flache Hechelfrequenz kippt, aus der sie oben schwer zurückfindet.

Und bei Seitenstechen: Tempo raus, tief einatmen und beim Ausatmen sanft mit der Hand in die schmerzende Seite drücken. Warum das wirkt, steht unter Seitenstechen.

Quellen

Veröffentlichungen, auf die sich dieser Text stützt. Die Auswahl ist eine redaktionelle Zusammenfassung, keine vollständige Literaturübersicht.

  1. Bramble DM, Carrier DR: Running and breathing in mammals. Science, 1983. PubMed

Häufige Fragen

Soll ich durch die Nase oder durch den Mund atmen?

Durch beides gleichzeitig. Die Nase allein liefert bei laufender Belastung zu wenig Volumen. Der oft empfohlene Wechsel aus Nase ein und Mund aus hat für Freizeitläufer keinen nachgewiesenen Nutzen.

Gibt es einen richtigen Atemrhythmus beim Laufen?

Rhythmen wie drei Schritte ein, zwei Schritte aus stellen sich bei den meisten Läufern von selbst ein. Sie bewusst zu erzwingen führt bei Anfängern häufig zu Verkrampfung und flacherer Atmung.

Warum bekomme ich beim Laufen so schlecht Luft?

In fast allen Fällen, weil das Tempo zu hoch ist. Die Atmung ist ein Symptom der Belastung, nicht ihre Ursache. Ein langsameres Tempo löst das Problem sofort.

Was ist Zwerchfellatmung und bringt sie etwas?

Tiefe Atmung in den Bauch statt flach in den Brustkorb. Sie nutzt das Lungenvolumen besser und beruhigt. Als bewusste Technik lohnt sie sich vor allem im Ruhezustand und bei Seitenstechen.

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