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Lauf-Lust

Beschwerden

Läuferknie

Der Schmerz sitzt an der Außenseite des Knies, die Ursache selten. In den meisten Fällen liegt sie in der Stabilität von Hüfte und Gesäßmuskulatur.

Redaktion Lauf-Lust · Veröffentlicht am , aktualisiert am

Das Läuferknie – fachlich das iliotibiale Bandsyndrom – ist eine der häufigsten Überlastungsbeschwerden im Laufsport. Es hat ein sehr charakteristisches Muster, und genau das macht es gut erkennbar.

Das typische Bild

Der Schmerz sitzt außen am Knie, etwa auf Höhe des Gelenkspalts. Er ist stechend oder brennend, und das Auffälligste: Er tritt reproduzierbar nach einer bestimmten Distanz auf. Bei manchen nach vier Kilometern, bei anderen nach zwölf – aber jedes Mal ungefähr an derselben Stelle.

Weitere Merkmale:

  • Bergablaufen verschlimmert deutlich
  • Treppensteigen abwärts kann wehtun
  • In Ruhe lässt der Schmerz rasch nach
  • Am nächsten Tag ist oft wieder alles normal, bis zur nächsten Distanzmarke

Was dabei passiert

Der Tractus iliotibialis ist ein derber Bindegewebsstrang, der außen am Oberschenkel von der Hüfte zum Knie zieht. Bei Beugung und Streckung des Knies bewegt er sich über den äußeren Oberschenkelknochen. Bei wiederholter Belastung kann das darunterliegende Gewebe gereizt werden.

Entscheidend ist: Nicht der Tractus ist zu kurz oder zu fest. Die Spannung, die auf ihm liegt, steigt, wenn die Beinachse beim Aufsetzen nicht kontrolliert wird – wenn also das Becken zur Gegenseite absinkt und das Knie nach innen kippt.

Und dafür sind Hüft- und Gesäßmuskulatur zuständig, nicht das Knie.

Die häufigsten Auslöser

  1. Zu schnelle Umfangssteigerung. Der Klassiker.
  2. Viel Bergabtraining. Erhöht die Beugebelastung erheblich.
  3. Immer dieselbe Seite einer geneigten Straße. Die talseitige Hüfte arbeitet stärker.
  4. Schwache Hüftabduktoren. Die eigentliche strukturelle Ursache.
  5. Sehr niedrige Schrittfrequenz mit langen Schritten. Siehe Lauftechnik und Schrittfrequenz.

Was in der akuten Phase hilft

  • Laufpause, bis kurze Strecken schmerzfrei möglich sind. Meist ein bis drei Wochen.
  • Ausweichen auf Rad oder Schwimmen, beides belastet den Tractus kaum.
  • Kühlen nach Belastung bei akutem Reizzustand.
  • Kein aggressives Rollen direkt auf der schmerzenden Stelle. Das reizt das ohnehin entzündete Gewebe zusätzlich.

Was mittelfristig wirkt

Kräftigung der Hüftabduktoren und der Gesäßmuskulatur. Das ist die Maßnahme mit der besten Datenlage, und sie braucht Wochen, nicht Tage.

Drei Übungen, jeweils drei Sätze, an lauffreien Tagen zwei- bis dreimal pro Woche:

Seitliches Beinheben in Seitlage. 15 Wiederholungen pro Seite, langsam, Becken bleibt senkrecht.

Seitliches Beinheben: Seitlage, unteres Bein gebeugt, oberes Bein gestreckt und langsam anheben. Die gestrichelte Linie ist das Becken – es bleibt senkrecht und kippt nicht nach hinten.

Muschel mit Miniband. In Seitlage, Knie gebeugt, oberes Knie gegen den Widerstand öffnen. 15 Wiederholungen pro Seite.

Muschel mit Miniband: Seitlage, Knie gebeugt, Band oberhalb der Knie. Das obere Knie öffnet gegen den Widerstand, die Füße bleiben zusammen, das Becken bleibt senkrecht.

Einbeiniges Beckenheben. Rückenlage, ein Fuß aufgestellt, Becken anheben und oben halten. 10 Wiederholungen pro Seite.

Einbeiniges Beckenheben: Rückenlage, ein Fuß aufgestellt, das andere Bein gestreckt. Becken anheben, bis Schulter, Hüfte und Knie eine Linie bilden, oben kurz halten.

Der komplette Satz mit weiteren Übungen steht unter Dehnen und Mobilisation.

Der Wiedereinstieg

Wenn kurze Läufe schmerzfrei sind: mit etwa 50 Prozent des vorherigen Umfangs beginnen, auf ebenem Untergrund, ohne Bergabpassagen, ohne Tempoarbeit. Steigern um höchstens zehn Prozent pro Woche.

Die Kräftigungsübungen laufen dabei weiter. Sie sind der Grund, warum es nicht wiederkommt – nicht die Pause.

Wann es ärztlich abgeklärt gehört

Ein Läuferknie lässt sich meist ohne Praxisbesuch in den Griff bekommen. In diesen Fällen nicht:

  • Beschwerden, die trotz Laufpause und Kräftigung über mehrere Wochen bestehen
  • eine sichtbare Schwellung am Knie
  • ein Knie, das blockiert, einknickt oder sich instabil anfühlt
  • Schmerz, der auch in Ruhe oder nachts bleibt

Das spricht für eine andere Ursache als den Tractus – und gehört in eine orthopädische oder sportmedizinische Praxis, nicht in ein Übungsprogramm.

Quellen

Veröffentlichungen, auf die sich dieser Text stützt. Die Auswahl ist eine redaktionelle Zusammenfassung, keine vollständige Literaturübersicht.

  1. Fredericson M et al.: Hip abductor weakness in distance runners with iliotibial band syndrome. Clinical Journal of Sport Medicine, 2000. PubMed
  2. van der Worp MP et al.: Iliotibial band syndrome in runners: a systematic review. Sports Medicine, 2012. PubMed
  3. Lauersen JB, Bertelsen DM, Andersen LB: The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. British Journal of Sports Medicine, 2014. PubMed

Häufige Fragen

Was ist das Läuferknie genau?

Das iliotibiale Bandsyndrom, eine Reizung im Bereich, in dem der Tractus iliotibialis über den äußeren Oberschenkelknochen läuft. Der Schmerz sitzt an der Knieaußenseite und tritt typischerweise nach einer bestimmten Laufdistanz reproduzierbar auf.

Woran erkenne ich ein Läuferknie?

An einem stechenden oder brennenden Schmerz an der Knieaußenseite, der bei jedem Lauf nach ungefähr derselben Distanz einsetzt, beim Bergablaufen zunimmt und in Ruhe schnell nachlässt. Ein Schmerz an der Knievorderseite oder unter der Kniescheibe deutet dagegen auf ein anderes Beschwerdebild hin.

Wie lange dauert es, bis ein Läuferknie ausheilt?

Bei früher Reaktion und konsequenter Kräftigung meist vier bis acht Wochen. Wer weiterläuft und die Ursache nicht angeht, kann monatelang damit zu tun haben. Vollständige Ruhigstellung ist nicht nötig und meist nicht sinnvoll.

Darf ich mit einem Läuferknie weiterlaufen?

In der akuten Phase nicht. Sobald schmerzfreie kurze Läufe möglich sind, kann vorsichtig wieder aufgebaut werden, mit deutlich reduziertem Umfang, ebenem Untergrund und ohne Bergabpassagen. Der Schmerz ist dabei die Grenze.

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