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Lauf-Lust

Lauftraining

Lauftechnik und Schrittfrequenz

Die meisten Menschen laufen von selbst ökonomisch genug. Eine einzige Stellschraube lohnt sich trotzdem fast immer – und es ist nicht der Fußaufsatz.

Redaktion Lauf-Lust · Veröffentlicht am , aktualisiert am

Von allen Stellschrauben der Lauftechnik ist genau eine für die meisten Läufer die Mühe wert: die Schrittfrequenz. Der Fußaufsatz, an dem sich die Diskussionen festhalten, spielt eine deutlich kleinere Rolle als die Frage, wo der Fuß relativ zum Körperschwerpunkt landet.

Lauftechnik ist ein dankbares Thema, weil sie sich nach einer Abkürzung anfühlt: ein Handgriff, und alles wird leichter. In der Realität ist der Bewegungsablauf beim Laufen weitgehend selbstoptimiert. Was der Körper über Jahre gefunden hat, ist für ihn meist ökonomisch – auch wenn es nicht nach Lehrbuch aussieht.

Eine Ausnahme gibt es.

Die Schrittfrequenz

Wer bei gleichem Tempo mehr Schritte macht, macht kürzere Schritte. Kürzere Schritte bedeuten: Der Fuß landet näher am Körperschwerpunkt, die vertikale Bewegung wird kleiner, und die Belastungsspitze im Knie sinkt.

Der Effekt ist gut untersucht. Eine Steigerung der Frequenz um etwa fünf bis zehn Prozent reduziert die Belastung von Knie und Hüfte deutlich, ohne dass sich Tempo oder Sauerstoffverbrauch nennenswert ändern.

So gehst du vor:

  1. Zähle bei einem lockeren Lauf 30 Sekunden lang die Schritte eines Fußes, nimm das Ergebnis mal vier. Das ist deine Frequenz in Schritten pro Minute.
  2. Liegt sie unter etwa 165, lohnt sich die Anpassung. Liegt sie darüber, lass es.
  3. Erhöhe um fünf Prozent, nicht mehr. Bei 160 sind das 168.
  4. Nutze einen Metronom-Ton oder Musik mit passender Taktzahl, anfangs für fünf Minuten pro Lauf, über Wochen steigernd.

Wichtig: Das Tempo bleibt gleich. Es geht nicht darum, schneller zu laufen, sondern kleinschrittiger.

Was fünf Prozent konkret bedeuten

Tempo ist das Produkt aus Schrittfrequenz und Schrittlänge. Wer die eine Größe erhöht und das Tempo hält, verkürzt zwangsläufig die andere. Die Zahlen dazu sind kleiner, als die meisten erwarten:

Tempo bei 160 Schritten/min bei 170 bei 180
7:00 min/km 0,89 m 0,84 m 0,79 m
6:00 min/km 1,04 m 0,98 m 0,93 m
5:00 min/km 1,25 m 1,18 m 1,11 m

Von 160 auf 168 Schritte bei 6:00 min/km sind rund fünf Zentimeter weniger Schrittlänge. Das ist so wenig, dass es sich nach nichts anfühlt, sobald die Umstellung eingerastet ist, und gleichzeitig genug, um den Fuß spürbar näher unter den Körper zu bringen.

Umgekehrt gilt: Der Schritt wird nicht dadurch länger, dass du bewusst weiter nach vorne greifst. Länger wird er über kräftigeren Abdruck nach hinten. Der Versuch, über die Schrittlänge schneller zu werden, endet fast immer im Überschreiten.

Die Umstellung über acht Wochen

Eine neue Frequenz hält nur, wenn sie automatisiert ist. Bewusst gesteuert funktioniert sie zwanzig Minuten lang und fällt danach in sich zusammen, meistens genau dann, wenn die Ermüdung einsetzt und die alte Bewegung wieder greift. Ein brauchbarer Aufbau:

Wochen Umfang mit Taktvorgabe Zielfrequenz
1 bis 2 2 × 5 min pro lockerem Lauf +3 %
3 bis 4 2 × 10 min pro lockerem Lauf +5 %
5 bis 6 20 min am Stück +5 %
7 bis 8 ganzer lockerer Lauf, Metronom nur zur Kontrolle +5 %

Die Taktvorgabe kommt entweder von einer Metronom-App, einem anclipsbaren Metronom oder von Musik mit passender Taktzahl. Bei 168 Schritten pro Minute passt ein Stück mit 84 Beats pro Minute, wenn du jeden Schlag mit einem Fuß triffst, oder eines mit 168, wenn jeder Schlag ein Schritt ist.

Nur in lockeren Läufen üben, nie in Intervallen. Im harten Tempo steigt die Frequenz ohnehin von selbst, und die zusätzliche Aufmerksamkeit stört dort mehr, als sie hilft. Die passenden Tempobereiche für “locker” stehen unter Trainingsbereiche und Herzfrequenz, die Umrechnung von Zielzeiten in Tempo liefert der Pace-Rechner.

Der Fußaufsatz

Die Debatte Ferse gegen Vorfuß ist älter als sie ergiebig ist. Was tatsächlich zählt, ist nicht, welcher Teil des Fußes zuerst aufsetzt, sondern wo der Fuß aufsetzt: weit vor dem Körper oder darunter.

Ein Fersenaufsatz direkt unter dem Körperschwerpunkt ist unproblematisch. Ein Fersenaufsatz weit vor dem Körper mit gestrecktem Knie – das sogenannte Überschreiten – bremst bei jedem Schritt und leitet Kräfte ungünstig ins Knie.

Die gute Nachricht: Wer die Schrittfrequenz erhöht, korrigiert das automatisch. Der Fuß hat schlicht keine Zeit mehr, so weit nach vorne zu kommen.

Woran du Überschreiten erkennst

Es braucht kein Labor, um sich selbst zu prüfen. Drei Zugänge, vom groben zum genauen:

Das Geräusch. Wer laut aufsetzt, landet meist weit vorne und mit gestrecktem Knie. Ein Bremsschritt macht mehr Lärm als ein Schritt unter dem Körper. Das ist kein Beweis, aber ein guter erster Hinweis, und er kostet nichts.

Der Videocheck. Handy auf ein Geländer legen, seitlich filmen, im lockeren Dauerlauf vorbeilaufen. Danach das Bild im Moment des Aufsetzens anhalten. Zwei Dinge sind zu sehen: Ist das Knie im Moment der Landung deutlich gebeugt oder fast durchgestreckt? Und liegt der Fuß eher unter der Hüfte oder klar davor? Filme im lockeren Tempo, nicht schnell: Vor der Kamera läuft jeder anders, und bei hohem Tempo sieht die Technik ohnehin besser aus.

Der Bergauf-Vergleich. An einer leichten Steigung ist Überschreiten mechanisch fast unmöglich. Wenn sich der Laufstil bergauf deutlich anders anfühlt als in der Ebene, liegt in der Ebene meistens ein zu langer Schritt vor.

Was die Uhr misst und was davon zählt

Moderne Laufuhren liefern neben der Kadenz weitere Bewegungsdaten. Nützlich sind davon zwei, und auch die nur als Verlaufsbeobachtung an dir selbst, nicht als Vergleich mit anderen:

  • Vertikale Bewegung. Wie weit der Körperschwerpunkt pro Schritt nach oben geht. Sinkt dieser Wert, während Tempo und Herzfrequenz gleich bleiben, arbeitet die Umstellung.
  • Bodenkontaktzeit. Sinkt mit steigendem Tempo und mit steigender Frequenz. Isoliert betrachtet sagt sie wenig.
  • Balance zwischen links und rechts. Die Messgenauigkeit reicht für Aussagen über Seitenunterschiede nicht aus. Kleine Abweichungen sind normal und kein Anlass für Maßnahmen.

Die Grundregel: Alle diese Zahlen sind Beschreibungen deiner Bewegung, keine Ziele. Wer versucht, eine Kennzahl direkt zu optimieren, verändert die Bewegung in eine Richtung, die niemand geprüft hat. Die Frequenz ist die einzige Größe mit belastbarer Datenlage zur gezielten Veränderung.

Wovon abzuraten ist

Ein aktiv erzwungener Wechsel zum Vorfußlauf. Er verlagert Last vom Knie auf Achillessehne, Wade und Mittelfuß. Wer diese Strukturen nicht über Monate darauf vorbereitet, tauscht ein Knieproblem gegen ein Achillessehnenproblem – siehe Achillessehnenbeschwerden.

Sinnvoll ist der Wechsel nur bei einem konkreten Anlass, etwa hartnäckigen Kniebeschwerden trotz sonstiger Maßnahmen, und dann über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten mit sehr langsamer Steigerung.

Ebenfalls nicht empfehlenswert: mehrere Änderungen gleichzeitig. Wer in derselben Woche die Frequenz erhöht, auf einen Schuh mit weniger Sprengung wechselt und den Umfang steigert, kann bei Beschwerden nicht mehr zuordnen, was davon die Ursache war. Eine Änderung, dann sechs bis acht Wochen beobachten. Zur Rolle der Sprengung siehe Dämpfung und Sprengung.

Lauf-ABC: was sinnvoll ist

Lauf-ABC verbessert Koordination, Fußkraft und die Fähigkeit, kurz sehr schnell zu laufen. Es ersetzt keine Kilometer und macht auch niemanden über Nacht ökonomischer. Ein realistischer Umfang sind zwei Einheiten pro Woche im Anschluss ans Einlaufen, insgesamt zehn bis fünfzehn Minuten:

  • Fußgelenkarbeit, 2 × 20 m: kleine, schnelle Schritte, Bewegung fast nur aus dem Sprunggelenk.
  • Anfersen, 2 × 20 m: Ferse zum Gesäß, Oberkörper aufrecht.
  • Kniehebelauf, 2 × 20 m: hohe Frequenz, aktiver Abdruck, nicht in die Höhe hüpfen.
  • Hopserlauf, 2 × 30 m: für den Abdruck und die Sprungkraft.
  • Steigerungsläufe, 4 bis 6 × 80 bis 100 m: locker beginnen, über die Strecke auf etwa 90 Prozent steigern, ausrollen lassen.

Die Steigerungen sind der Teil mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Nutzen. Sie halten die schnelle Ansteuerung wach, ohne nennenswerte Ermüdung zu verursachen, und passen an jeden lockeren Lauf.

Wann Technikarbeit nichts bringt

Es gibt Situationen, in denen die Frequenzarbeit die falsche Baustelle ist:

  • Deine Frequenz liegt bereits über 170 im lockeren Tempo. Dann gibt es nichts zu holen, und eine weitere Erhöhung kostet Ökonomie.
  • Du bist beschwerdefrei und willst ausdauernder werden. Der Hebel liegt beim Umfang und bei der Intensitätsverteilung, nicht in der Kadenz.
  • Es tut gerade akut weh. Erst die Beschwerden behandeln, dann die Technik anfassen. Eine Umstellung unter Schmerz führt zu Ausweichbewegungen.
  • Der Wettkampf ist in weniger als sechs Wochen. Im Tapering und in den Wochen davor wird nichts Neues eingeführt.
  • Die eigentliche Lücke ist Kraft. Wenn die Hüfte bei jedem Schritt absackt, ist das kein Frequenzproblem. Übungen dazu stehen unter Dehnen und Mobilisation.

Was sonst noch hilft

Oberkörper aufrecht, Blick nach vorn. Nicht auf die Füße schauen, das kippt die Hüfte nach hinten.

Arme locker, im rechten Winkel. Sie schwingen nach vorn, nicht quer über den Körper.

Schultern tief. Bei Ermüdung wandern sie nach oben. Ein kurzes bewusstes Loslassen alle paar Kilometer kostet nichts.

Hände offen. Geballte Fäuste bringen Spannung in Unterarm und Schulter, ohne irgendeinen Nutzen. Daumen locker auf den Zeigefinger legen reicht.

Am Ende langer Läufe bewusst kontrollieren. Die Technik zerfällt dort, wo die Muskulatur müde wird, und genau dort passieren die meisten Überlastungen. Ein kurzer Check auf Frequenz und Schulterhöhe alle paar Kilometer ist im letzten Drittel mehr wert als am Anfang.

Quellen

Veröffentlichungen, auf die sich dieser Text stützt. Die Auswahl ist eine redaktionelle Zusammenfassung, keine vollständige Literaturübersicht.

  1. Heiderscheit BC et al.: Effects of step rate manipulation on joint mechanics during running. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2011. PubMed
  2. Schubert AG, Kempf J, Heiderscheit BC: Influence of stride frequency and length on running mechanics: a systematic review. Sports Health, 2014. PubMed
  3. Moore IS: Is there an economical running technique? A review of modifiable biomechanical factors affecting running economy. Sports Medicine, 2016. PubMed
  4. Lieberman DE et al.: Foot strike patterns and collision forces in habitually shod versus unshod runners. Nature, 2010. PubMed

Häufige Fragen

Was ist die richtige Schrittfrequenz beim Laufen?

Es gibt keinen für alle richtigen Wert. Sinnvoll ist, die eigene Frequenz um etwa fünf Prozent zu erhöhen, wenn sie deutlich unter 165 Schritten pro Minute liegt. Die häufig zitierten 180 stammen aus einer Beobachtung von Eliteläufern im Wettkampf.

Soll ich auf Vorfußlauf umstellen?

In der Regel nicht aktiv. Der Wechsel verlagert Last vom Knie auf Achillessehne und Wade, beseitigt sie aber nicht. Wer keine knie- oder achillessehnenbezogenen Beschwerden hat, gewinnt durch die Umstellung meist nichts und riskiert eine Überlastung.

Was bedeutet Überschreiten beim Laufen?

Der Fuß landet deutlich vor dem Körperschwerpunkt, oft mit gestrecktem Knie. Das bremst bei jedem Schritt und leitet Kräfte ungünstig ins Knie. Eine höhere Schrittfrequenz korrigiert das meist von selbst.

Bringen Lauf-ABC und Techniktraining etwas?

Als Ergänzung ja, vor allem für Koordination und Fußkraft. Als Ersatz für Kilometer nicht. Zwei kurze Einheiten Lauf-ABC pro Woche im Anschluss ans Einlaufen sind ein sinnvoller Aufwand.

Sinkt meine Schrittfrequenz, wenn ich langsamer laufe?

Ja, das ist normal. Zwischen lockerem Dauerlauf und Wettkampftempo liegen typischerweise zehn bis zwanzig Schritte pro Minute. Miss deine Frequenz deshalb immer im gleichen Tempobereich, sonst vergleichst du zwei verschiedene Dinge.

Macht mich eine höhere Schrittfrequenz schneller?

Nicht direkt. Tempo ist das Produkt aus Frequenz und Schrittlänge, und wer die Frequenz erhöht, verkürzt zunächst den Schritt. Der Gewinn liegt in der geringeren Belastung pro Schritt und damit in der Fähigkeit, mehr Kilometer beschwerdefrei zu laufen. Schneller wirst du über das Training, nicht über die Kadenz.

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