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Rechner

Kalorienverbrauch beim Laufen

Gerechnet wird über MET-Werte aus dem Compendium of Physical Activities. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoverbrauch, den die meisten Rechner unterschlagen.

Redaktion Lauf-Lust · Veröffentlicht am

Kalorienrechner

Energieverbrauch beim Laufen

Gerechnet über MET-Werte aus dem Compendium of Physical Activities. Ausgewiesen werden Brutto- und Nettoverbrauch getrennt.

Verbrauch

702 kcal brutto

632 kcal netto · MET 10

Brutto ist der gesamte Umsatz während des Laufs. Netto zieht ab, was der Körper in derselben Zeit auch in Ruhe verbraucht hätte - das ist die Zahl, die zählt, wenn es um eine Energiebilanz geht.

60 Minuten Laufen bei 70 kg Körpergewicht
TempoPaceMETBruttoNetto
8 km/h7:30 min/km8,3581 kcal511 kcal
9 km/h6:40 min/km9,2643 kcal573 kcal
10 km/h6:00 min/km10702 kcal632 kcal
11 km/h5:27 min/km10,8754 kcal684 kcal
12 km/h5:00 min/km11,4795 kcal725 kcal
13 km/h4:37 min/km11,9830 kcal760 kcal
14 km/h4:17 min/km12,5874 kcal804 kcal

Eine 70 Kilogramm schwere Person verbraucht bei 30 Minuten Joggen im Tempo 10 km/h rund 350 Kalorien brutto, netto bleiben davon etwa 316 übrig. Die Differenz ist der Grundumsatz, den der Körper in derselben halben Stunde auch im Sitzen verbraucht hätte, und genau dieser Anteil wird in den meisten Rechnern im Netz stillschweigend mitgezählt.

Die Formel dahinter

Der Standardweg zur Schätzung läuft über MET-Werte, also über das metabolische Äquivalent. Ein MET entspricht dem Umsatz in völliger Ruhe, ungefähr eine Kalorie pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde. Jede Aktivität bekommt im Compendium of Physical Activities einen Vielfachen-Wert zugewiesen, und daraus ergibt sich die Rechnung:

Kalorien = MET × Körpergewicht in kg × Dauer in Stunden

Für lockeres Joggen bei 8 km/h liegt der MET-Wert bei etwa 8,3, für 10 km/h bei rund 10, für 12 km/h bei etwa 11,4. Ein Beispiel: 75 Kilogramm, 45 Minuten, Tempo 10 km/h ergibt 10 × 75 × 0,75 = 563 Kalorien brutto.

Diese MET-Werte sind Mittelwerte aus Laboruntersuchungen an vielen Personen. Sie enthalten keine Angaben zu Laufökonomie, Untergrund, Wind, Steigung oder Trainingszustand. Zwei gleich schwere Menschen im selben Tempo können in der Realität um zehn Prozent auseinanderliegen.

Warum das Tempo den MET-Wert bestimmt

Beim Laufen wird der Körperschwerpunkt bei jedem Schritt angehoben und wieder abgefangen. Wer schneller läuft, macht diese Arbeit häufiger pro Minute und gegen einen höheren Luftwiderstand, deshalb steigt der MET-Wert mit dem Tempo. Der Anstieg ist allerdings ungefähr proportional zur Strecke, die dabei zurückgelegt wird.

Das führt zu einer Beobachtung, die viele überrascht: Pro Kilometer bleibt der Verbrauch weitgehend gleich. Wer fünf Kilometer in 30 Minuten läuft und wer dieselbe Strecke in 22 Minuten läuft, landet am Ende in einer ähnlichen Größenordnung. Als Faustformel gilt rund 0,9 bis 1,0 Kalorien je Kilogramm Körpergewicht und Kilometer. Bei 70 Kilogramm sind das etwa 65 bis 70 Kalorien pro Kilometer, unabhängig davon, wie schnell er gelaufen wird.

Schneller zu laufen bringt also vor allem dann mehr Verbrauch, wenn dabei mehr Strecke zusammenkommt. Bei fester Distanz spart das höhere Tempo hauptsächlich Zeit.

Brutto und netto

Das ist der Punkt, an dem gängige Kalorienrechner systematisch zu hohe Zahlen ausweisen. Die MET-Formel liefert den gesamten Umsatz während der Belastung. Darin steckt auch der Ruheumsatz, also das eine MET, das ohnehin angefallen wäre. Für eine Energiebilanz zählt aber nur der Mehrverbrauch gegenüber dem Nichtstun.

Der Abzug ist leicht zu rechnen: 1 Kalorie × Körpergewicht × Stunden. Bei 70 Kilogramm und einer Stunde sind das 70 Kalorien, bei einem 90-minütigen langen Lauf 105 Kalorien. Prozentual sind das rund zehn Prozent des ausgewiesenen Wertes, in absoluten Zahlen also grob ein Müsliriegel pro langem Lauf.

Der Rechner oben weist beide Werte getrennt aus. Wer den Verbrauch in eine Ernährungs-App überträgt, sollte den Nettowert nehmen, weil der Grundumsatz dort bereits in der Tagesbilanz steckt und sonst doppelt gezählt wird.

30 Minuten Joggen nach Körpergewicht

Das Körpergewicht geht linear in die Formel ein, es ist neben der Dauer der stärkste Einflussfaktor. Dieselben 30 Minuten bei 10 km/h (Pace 6:00 min/km) sehen deshalb sehr unterschiedlich aus:

Gewicht Brutto Netto
55 kg 276 kcal 248 kcal
65 kg 326 kcal 293 kcal
75 kg 376 kcal 338 kcal
85 kg 426 kcal 384 kcal
95 kg 476 kcal 429 kcal

Das erklärt auch, warum der Verbrauch im Laufe einer längeren Trainingsphase sinkt: Wer fünf Kilogramm abnimmt, muss weniger Masse bewegen und verbraucht für dieselbe Runde entsprechend weniger.

Was die Formel nicht abbildet

Die MET-Werte gelten für Laufen in der Ebene auf festem Untergrund. Alles, was davon abweicht, verschiebt den Verbrauch nach oben, ohne dass es der Rechner sieht:

  • Steigung. Bergauf steigt der Verbrauch deutlich, weil zusätzlich Höhenmeter überwunden werden. Bergab fällt er weniger stark ab, als der Gewinn bergauf vermuten lässt.
  • Untergrund. Sand, tiefer Waldboden und Schnee kosten spürbar mehr als Asphalt, siehe Laufen im Gelände.
  • Wind und Kälte. Gegenwind erhöht den Luftwiderstand, bei sehr niedrigen Temperaturen kommt Wärmeproduktion dazu.
  • Nachbrenneffekt. Nach dem Lauf bleibt der Umsatz eine Weile leicht erhöht. Bei ruhigen Dauerläufen bewegt sich das im Bereich weniger Prozent des Laufverbrauchs, nach harten Intervallen etwas darüber. Als Rechengröße ist es zu klein, um eine Rolle zu spielen.

Auch der Trainingszustand wirkt, allerdings in die andere Richtung: Eine ökonomischere Lauftechnik senkt den Sauerstoffbedarf im selben Tempo. Wer seit Jahren läuft, verbraucht für dieselbe Runde tendenziell etwas weniger als ein Einsteiger mit gleichem Gewicht.

Warum Pulsuhren so unterschiedlich rechnen

Laufuhren schätzen den Verbrauch nicht über MET-Werte, sondern über die Herzfrequenz, hinterlegte Angaben zu Alter, Gewicht und Geschlecht und teils über geräteeigene Modelle der Leistungsfähigkeit. Die Herzfrequenzmessung am Handgelenk ist dabei bei gleichmäßigem Dauerlauf meist brauchbar, die daraus abgeleitete Energieschätzung dagegen nicht.

In Vergleichsmessungen gegen Laborverfahren lagen die Kalorienangaben handgelenkbasierter Geräte teils um mehr als 20 Prozent daneben, und zwar in beide Richtungen und je nach Person unterschiedlich. Der Grund liegt in der Kette der Annahmen: Die Herzfrequenz reagiert auf Hitze, Koffein, Schlafmangel, Stress und Flüssigkeitsverlust, ohne dass sich der Energieverbrauch ändert.

Praktisch heißt das: Die Uhr ist gut geeignet, um Läufe untereinander zu vergleichen, weil der Fehler bei derselben Person meist in dieselbe Richtung geht. Als absolute Zahl für eine Ernährungsbilanz taugt sie nicht.

Laufen und Energiebilanz

Gewichtsveränderungen entstehen über die Bilanz aus Zufuhr und Verbrauch über längere Zeiträume, nicht über die einzelne Einheit. Ein Kilogramm Körperfett entspricht grob 7.000 Kalorien. Ein Lauf über zehn Kilometer bringt netto etwa 600 bis 700 Kalorien, es wären also mehr als zwanzig solcher Läufe für ein rechnerisches Kilogramm nötig.

Dazu kommt, dass die Rechnung in der Praxis selten aufgeht. Der Körper reagiert auf zusätzliche Belastung mit mehr Appetit und teils mit geringerer Alltagsaktivität. Modelle der Gewichtsentwicklung zeigen deshalb, dass sich eine konstante Mehrbelastung langsamer und schwächer auswirkt als die einfache Multiplikation vermuten lässt.

Das ist kein Argument gegen das Laufen, sondern eines gegen die Fixierung auf die Zahl nach dem Lauf. Regelmäßiges Laufen wirkt über den Trainingszustand, die Muskulatur, die Blutfettwerte und die Insulinempfindlichkeit, und über eine Bilanz, die sich in Wochen und Monaten liest, nicht in einzelnen Einheiten.

Was die Zahl leisten kann

Der Rechner beantwortet zwei Fragen zuverlässig: die Größenordnung eines Laufs und den relativen Unterschied zwischen zwei Einheiten. Für die Planung der Verpflegung bei langen Läufen ist die Größenordnung nützlich, weil sich daraus der Kohlenhydratbedarf ableiten lässt, mehr dazu unter Kohlenhydrate und Gels.

Was er nicht leisten kann, ist eine Bilanz auf 50 Kalorien genau. Wer damit plant, sollte einen Unsicherheitsbereich von rund zehn bis fünfzehn Prozent mitdenken und die Werte über mehrere Wochen mitteln, statt einzelne Läufe gegenzurechnen.

Quellen

Veröffentlichungen, auf die sich dieser Text stützt. Die Auswahl ist eine redaktionelle Zusammenfassung, keine vollständige Literaturübersicht.

  1. Ainsworth BE et al.: 2011 Compendium of Physical Activities: a second update of codes and MET values. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2011. PubMed
  2. Margaria R et al.: Energy cost of running. Journal of Applied Physiology, 1963. PubMed
  3. Shcherbina A et al.: Accuracy in Wrist-Worn, Sensor-Based Measurements of Heart Rate and Energy Expenditure in a Diverse Cohort. Journal of Personalized Medicine, 2017. PubMed
  4. Hall KD et al.: Quantification of the effect of energy imbalance on bodyweight. The Lancet, 2011. PubMed

Häufige Fragen

Wie viele Kalorien verbrennt man beim Joggen in 30 Minuten?

Bei 10 km/h und 70 Kilogramm Körpergewicht sind es rund 350 Kalorien brutto, netto etwa 316. Bei 60 Kilogramm liegt der Bruttowert bei ungefähr 300, bei 90 Kilogramm bei rund 450 Kalorien.

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoverbrauch?

Brutto ist der gesamte Umsatz während des Laufs, inklusive des Grundumsatzes, der ohnehin angefallen wäre. Netto zieht diesen Ruheanteil ab und zeigt, was der Lauf zusätzlich gekostet hat. Der Unterschied beträgt etwa 1 Kalorie pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde.

Verbrennt schnelleres Laufen mehr Kalorien?

Pro Zeiteinheit ja, pro Kilometer kaum. Wer schneller läuft, legt in derselben Zeit mehr Strecke zurück und verbraucht deshalb mehr. Auf denselben fünf Kilometern ist der Unterschied zwischen langsam und schnell dagegen gering.

Wie genau sind die Angaben meiner Pulsuhr?

Die Herzfrequenzmessung am Handgelenk ist bei den meisten Geräten brauchbar, die daraus abgeleitete Kalorienschätzung dagegen nicht. Vergleichsmessungen zeigen Abweichungen von deutlich über 20 Prozent gegenüber Laborverfahren. Für Trends taugen die Werte, für eine Bilanz auf 50 Kalorien genau nicht.

Wie viel muss ich laufen, um ein Kilogramm Körperfett zu verlieren?

Ein Kilogramm Körperfett entspricht grob 7.000 Kalorien. Rein rechnerisch wären das über 20 Läufe à 10 Kilometer, weshalb Gewichtsveränderungen über die gesamte Energiebilanz und nicht über einzelne Einheiten zustande kommen.

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